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1995

fraktur
Menschen treten auf und wieder ab, überqueren die Bühne ohne Worte miteinander zu wechseln, kommen einfach und gehen wieder. Nur der „freie Platz“ ist da, über den sie spazieren, laufen, wandeln, hetzen – er ist der heimliche Star des Stücks. Ein Ort, der gewissermaßen alle Plätze der Welt darstellt, alle wirklichen, oder gedachten, oder erträumten. So unterschiedlich sind jedenfalls die Passanten, die man hier antreffen kann – Einsame und Gruppen, Spaziergänger, Wartende. Sie geben den oft Namenlosen Charakter, kleine Schwächen, skizzieren in sekundenschnelle Schicksale, Anekdoten, Witze. Aus ungeordneten Wegen werden Trampelpfade; Raumstrukturen entstehen und so mit ihnen: Muster. Aber Muster neigen zu Herrschaft und es entstehen Regeln – die man einhält (oder nicht)…

 

Inszenierung: Peter Mann
Choreographie/Tanz: Katrin Klosa, Christin Cammradt, Anne-Kathrin Freitag, Peter Mann
Kostüme: Susann Pietzsch
Premiere war am 31. Januar 1995 im M.A.U. – Blücherstraße Rostock

monostress
ein zweiteiliger Tanztheaterabend

Teil 1: „monostress“
Eine Szenerie erinnernd an eine gemeinschaftliche Zeitungsschau: Headline überfliegen, gierig neue Trends heraussaugen, Erster sein und weiter. Wer nicht mithalten kann – oder gar Letzter ist – wird bestenfalls ausgelacht; manchmal auch bloß gestellt. Dann darf man vor versammelter Mannschaft beweisen, dass man doch ein hipper Zeitgenosse ist. …sich um Gottes Willen nicht in diesem entscheidenen Moment verhoppeln, dann droht todesähnliche Starre – k.o.!

Teil 2: nach dem Drama „Bernada Albas Haus“ von Federico Garcia Lorca
Bernarda Alba - Mutter von fünf Töchtern lebt gemeinsam mit ihren Kindern, ihrer alten Mutter und zwei Mägden in einem Haus in einem andalusischen Dorf. Für sie ist das wichtigste, was im Dorf über sie und ihre Familie erzählt wird und so ist sie ständig darum bemüht, eine Fassade aufrechtzuerhalten um die Familienehre zu wahren. Bernarda führt einen diktatorischen Haushalt der zu einem Gefängnis für ihre unverheirateten Töchter wird. Besonders zwischen ihr und der jüngsten Tochter Adela kommt es häufig zu Konflikten.
Ausbruch und Selbständigkeit sind für diese gegängelten Wesen undenkbare Alternativen und gleich bedeutend mit physischem und psychischem Untergang. So naht unweigerlich die Katastrophe…
Obwohl in dem ganzen Stück nicht einmal Musik erklingt, wird durch „Tanzgeräusche“, Flüstern, Lachen, Fluchen, Kommandos und musikalisch komponierte Choreographien ein Klangteppich ausgebreitet, der an Schärfe zunimmt je dichter „das Ende“ rückt.

 


Inszenierung: Romy Hochbaum
Darsteller/Tänzerinnen: Christin Cammradt, Anne-Kathrin Freitag, Katrin Klosa, Beate König,

Andrea Krüger, Dorothee Lipke, Peter Mann, Ralf Möller, Steffi Pohlmann, Holger Stein, Katrin Tetzlaff, Dirk Wenzel
Technik: Thomas Häntzschel, Sabine Hilliger, Stephan Flor
Premiere war am 21. Juli 1995 in der Fahrzeughalle Rostock

frag.
Sie probiert ihre „Mitte“ aus und kann sich nicht konzentrieren.
Er ist sich fast sicher, dass er sich mit einem Lichtstrahl unterhalten kann.
Sie glaubt an den rettenden Sprung.
Er wartet auf DEN Moment.
Schneeweißchen traut sich nicht, und darf deswegen auch nicht.
Wir kommen an und es ist schon Nacht.
Was open air als eine Art „kollektiven, gegenseitigen Bewachens“ begann, sich in mainstreamförmigen Konsumentenbewegungen fortsetzte, endete im Brauereilager als tänzerische Collage von Soli, Duetten und Trios. „frag“ zeigte den denkbar skurrilsten „Abgleich“ von individuellen Verhaltensweisen zum Durchschnitt der Masse.

 

Inszenierung: Peter Mann
Darsteller/Tänzerinnen: Christin Cammradt, Anne-Kathrin Freitag, Sabine Hilliger, Susann Kadler, Katrin Klosa, Beate König, Andrea Krüger, Dorothee Lipke, Peter Mann, Ralf Möller, Steffi Pohlmann, Holger Stein, Katrin Tetzlaff, Dirk Wenzel
Premiere am 10. Juni 1995 auf dem „unplatz“ in Rostock und in der Lagerhalle der Rostocker Brauerei

1994

...die Hölle, das sind die andern...
Das Tanztheaterstück „…die Hölle, das sind die andern…“ basiert auf dem Drama "Geschlossene Gesellschaft" von J.-P. Sartre. Zwischen drei Menschen, abgeschnitten von der Außenwelt und ganz auf sich bezogen, entspinnt sich ein Spiel zwischen Hoffnung und Entmutigung, Zuneigung, Hass, unbedingtem Willen und Aufgeben. Aus banalen Situationen wird existenzieller Kampf, angeheizt durch eine schwierige Dreiecksbeziehung und den Umstand, dass keiner der Beteiligten den Spielort verlassen darf. Was bei Sartre der geschlossene Raum ist hier eine begrenzte, enge Bühnenfläche. Der Clou: eine nach allen Seiten bewegliche Bühne verdeutlicht Ausgewogenheit und Diskrepanz, Harmonie und Streit auf der Basis einfacher Physik – entweder ist sie ausbalanciert oder sie ist es nicht.
Dieses mit Live-Musik von Stephan Goltermann begleitete Tanzstück wirft unweigerlich die Frage nach Möglichkeit und Unmöglichkeit von menschlicher Kommunikation und nach dem Umgang miteinander in extremen Situationen auf.


Inszenierung: Romy Hochbaum
Tänzerinnen/Tänzer: Sabine Hilliger, Katrin Klosa, Peter Mann
Musiker: Stephan Goltermann
Bühnenkonstruktion: Joachim Manger
Premiere war am 22. Februar 1993 im M.A.U. – Blücherstraße Rostock

1993

Schicht
Die „Schicht“ beginnt. Umkleide, Arbeitsplatz. Geschliffene Bewegungsmuster, Maschinenmusik, Uhrwerkrhythmus – Körpermechanik wird im Raum ausgebreitet. Dann: Pause. Zweiter Teil: Störungen unterbrechen die Funktion des Menschengetriebes. Sind wir noch Improvisation gewöhnt? Retten wir dem Publikum den Abend!!! Also wird sich ins Zeug gelegt und unfreiwillig werden die Protagonisten „privat“. Dann: zweite Pause. Weiter. Letztes Drittel. Was in den Grenzen der Spielregeln passiert, langweilt mit der Zeit, das haben die Vier durchschritten. Sie brauchen anderes: ein Spiel, das höher reizt. Wo ist die Toleranzgrenze?
In eine rhythmische, wunderschön anzusehende Arbeitswelt platzen emotionale Ausbrüche und Taktlosigkeiten – eine (emotionale) Stauforschung.


Inszenierung: Peter Mann
Choreographische Mitarbeit: Andrea Krüger, Andrea Schindler
Tänzerinnen, Tänzer: Sabine Hilliger, Kathin Tetzlaff, Katrin Klosa, Stephan Flor, Peter Mann
Musik: Schweißer, Gefahrenhupe
Premiere war am 6. Juli 1993 im M.A.U. – Blücherstraße Rostock

1992

Situationen
Frau trifft Mann, trifft Mann, trifft Frau: in verschiedenen Situationen, unterschiedlichen Orten unter guten und schlechten Sternen wird sich miteinander auseinander gesetzt. Zufälle können ebenso eine entschiedene (Beziehungs-)rolle spielen, wie funktionierende oder nicht funktionierende Rituale. „Situationen“ ist ein Tanzpuzzle, welches in einem blinden Walzer endet.


Inszenierung: Peter Mann
Tänzerinnen, Tänzer: Andrea Krüger, Andrea Schindler, Bernd Mewis, Kai Erxleben, Katrin Klosa, Peter Mann, Sven Lange
Premiere war am 25. Oktober 1992 im M.A.U. – Blücherstraße Rostock

Geboren, nie gefragt
„Es war ein großer Raum – voll von verschiedenen Menschen. Und sie waren alle am selben Ort angekommen, zur mehr oder weniger selben Zeit. Und sie waren alle frei. Und sie alle stellten sich dieselbe Frage: Was ist hinter diesem Vorhang?…“
ein Bewegungsstück nach Text und Musik „geboren, nie gefragt“ von Laurie Anderson.

 

Inszenierung: Peter Mann
Tänzerinnen, Tänzer: Andrea Krüger, Andrea Schindler, Bernd Mewis, Kai Erxleben, Katrin Klosa, Peter Mann, Sven Lange
Premiere war am 25. Oktober 1992 im M.A.U. – Blücherstraße Rostock

Peter und der Wolf
ein musikalisches Märchen von Sergej Prokofiev
Dieses bekannte und vor allem bei Kindern beliebte Musikstück, erscheint nun in einer tänzerischen Version. Der mutige Peter und sein Freund - der Vogel - fangen unter dramatischen Umständen den sehr hungrigen Wolf, der schon die Ente auf seinem Gewissen hat. Entgegen der Warnungen des Großvaters nicht auf die große, weite Wiese zu gehen und misstrauisch-ängstlich von der Katze beäugt, wird eine Seilschlinge dem Wolf zum Verhängnis, die Peter und der Vogel schlau am Baum platzieren und in der sich der Wolf verfängt. Die Jäger, dem Wolf schon länger auf der Spur, können die Schießgewehre beiseite legen und den Wolf in den Zoo transportieren. So nimmt die Geschichte ein gutes Ende; selbst die Ente quakt deutlich hörbar aus dem Bauch des Wolfes - er hatte sie in der Eile lebendig heruntergeschluckt.

 

Inszenierung: Peter Mann, Andrea Krüger
Darsteller: Kati Degenhardt, Eva Dobbrunz, Simon Godemann, Nadja Herrmann, Katja Kleiß, Anne Köhler, Anne Lichtenstein, Anika Luther, Ev Pielucha, Christine Pille, David Remus, Jana Schlauraff, Katja Scholz, Anje Vollmer, Juliane Waldschläger
Bühnenbild: Kai Erxleben, Peter Mann
Kostüme: Kai Erxleben, Peter Mann
Premiere war am 18. November 1992 im M.A.U. – Blücherstraße Rostock